Schule und Persönlichkeitsbildung

Lernen lernen und Persönlichkeitsbildung
Persönlichkeitsbildung, Erlebnispädagogik, Kurt Hahn

„Erlebnisse kann man nicht rational ermitteln, sie müssen emotional erfahren werden. Man kann sie nicht lehren, man muss sie bisweilen inszenieren!“

Kurt Hahn

* 5. Juni 1886 in Berlin;
† 14. Dezember 1974 in Ravensburg

 

Lernen und Persönlichkeitsbildung

Kurt Hahn gehört zu den weltweit bedeutendsten Pädagogen des 20. Jahrhunderts. Er vertrat die Meinung vieler Schüler, dass die Schule ein Schreckgespenst sei. Sein humanistisch ausgerichtetes Königliche Wilhelms-Gymnasium bezeichnete er als „Marterkasten“ und „Totenstätte“. Viel lieber streifte er mit Nachbarskindern durch Wald und Wiese um mit ihnen in dem legendären Samstagskränzchen philosophische Werke zu lesen und klassische Dramen aufzuführen (Hahn 1904, S. 12ff. und www.mi-knoll.de)
Daß Schule und Unterricht nicht nur Qual, sondern auch Freude bereiten konnte, erfuhr Hahn, als er sechzehnjährig zusammen mit seinem Onkel, dem Mediziner Martin Hahn, in den Dolomiten wanderte und drei englische Freunde, Alec Marcan, John Arnold-Brown und Ben Simpson, ihm ganz begeistert von ihrer Schule, dem Reforminternat Abottsholme, erzählten.
Zum Abschied schenkten sie ihm „Emlohstobba“, Hermann Lietz‘ Loblied auf ihre von Cecil Reddie gegründete New School in Derbyshire.
Das Buch, so Hahn später, wirkte „wie ein Ruf des Schicksals“ (Hahn 1958, S. 94 und www.mi-knoll.de).

Hahn wollte junge Menschen auf das Leben vorbereiten. Reines Exerzieren in der Schule entsprach nicht seinen Vorstellungen. Er brachte die Erlebnispädagogik in die Schule wie z.B. in dem von ihm zusammen mit Prinz Max von Baden im April 1920 gegründeten Internat Schule Schloss Salem gelebt wird.

Diese Grundprinzipien bzw. Gesetze von Kurt Hahn lauten:

Erstes Gesetz
Gebt den Jugendlichen Gelegenheit, sich selbst zu entdecken.

Zweites Gesetz
Sorgt dafür, daß Jugendliche Erfolg und Niederlage erleben.

Drittes Gesetz
Schafft den Jugendlichen Gelegenheiten, sich über die gemeinsame Sache selbst zu vergessen.

Viertes Gesetz
Schafft Zeiten des Schweigens – Schafft Raum für Sammlung.

Fünftes Gesetz
Übt die Vorstellungskraft, die Fähigkeit vorauszuschauen und zu planen.

Sechstes Gesetz
Nehmt Spiel und Sport ernst, aber laßt sie nicht beherrschend sein.

Siebtes Gesetz
Befreit die Kinder der Reichen und Einflussreichen von dem lähmenden Bewusstsein ihrer Bevorzugung.

(Kurt Hahn 1930) Quelle: www.salem-net.de

Die Befolgung der sieben Gesetze führt dazu, dass Schüler auf das Leben vorbereitet werden. Sie werden nicht nur in schulischer Hinsicht ausgebildet, sondern auch in menschlicher. Sie erlernen durch das Erleben:

  • Anteilnahme an den Gefühlen ihrer Mitmenschen
  • Konzentration, geistige Ausdauer und Kreativität
  • körperliche Kraft und körperliche Ausdauer
  • Eigeninitiative zu ergreifen und Spontanität.

In den Projekten

  • International Award for Young People
  • Round Square Conference Schools
  • Outward Bound Schools
  • United World Colleges

werden diese Eigenschaften der Schüler trainiert.

Outward Bound ist ein Begriff aus Schifffahrt und bezeichnet ein Schiff, das voll geladen ist und seine Reise antreten kann. So sollen auch Schüler nach ihren Outward Bound Erlebnissen für die Reise in das Leben gerüstet sein, um diese bestmöglich durchzuführen.
Zur Schule gehört nach Kurt Hahns Auffassung nicht nur die geistige Leistung, sondern die Bildung und das Wachsen der eigenen Persönlichkeit.
Dies kann nicht innerhalb eines Klassenzimmers gewährleistet werden. Nur innerhalb einer Gemeinschaft, in der Natur kann ein Kind sich selbst erkennen und wachsen.
Nicht die Zensuren alleine bestimmen über den Erfolg im Leben, sondern auch die Persönlichkeit.

Schade, dass so wenig Schulen in Deutschland den Gedanken Kurt Hahns aufgegriffen haben!

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